Das Leben in der Schweizer Armee

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Vor 5 Wochen rückte ich in die Rekrutenschule der Schweizer Armee ein. Mit gemischten Gefühlen sass ich im Zug nach Aarau. Am ersten Tag wurden wir durch den Kommandanten willkommen geheissen und grob in den Kasernenbetrieb eingeführt. Bereits am ersten Tag fiel uns das ausserordentlich köstliche Essen positiv auf. Ansonsten beschränkte sich der Tag auf die theoretische Einführung ins militärische Leben. Nach der Theorie wurden wir gleich in unsere Gruppen, genannt Zug, eingeteilt. Ab Abend erlebte unser Zug dann auch den ersten Schock: Weil zu viele Büroordonnanzen, Truppenbuchhalter und Köche rekrutiert wurden, waren nicht genügend Betten vorhanden. Unser Logistik Zug wurde deshalb, gemäss Information bis Ende Woche, in einer Zivilschutzanlage, ca. 15 Fahrminuten von der Kaserne entfernt, untergebracht.

Die Unterkunft war zwar ohne Tageslicht- und Frischluftversorgung eingerichtet, dafür hatten wir ausreichend Platz für unser Gepäck und mussten uns an keine strikte Zimmerordnung halten. Eine grössere Herausforderung stellte der mangelnde Schlaf dar. Da wir durch die morgendliche und abendliche Verschiebung in unsere Zivilschutzanlage ca. 1 Stunde Schlaf pro Nacht einbüssten, erhielten wir im Durchschnitt noch ca. 5.5 Stunden Schlaf. In den ersten Tagen fiel mir die Umstellung nicht leicht, versuchte ich vorher doch immer mindestens 8 Stunden zu schlafen. Die angegeben 5.5 Stunden konnten aber noch massiv gekürzt werden. Jede Nacht wurden12 Personen benötigt, um in einem 3 Schichtbetrieb Wache zu halten. Dadurch verloren die betroffenen Personen nochmals, je nach Schicht, 2-3 Stunden Schlaf. Pro Woche konnte ein Rekrut bis zu 3-mal Wache schieben. Spätestens am Wochenende wurde dieser jeweils von der Mündigkeit überrumpelt.

Die weiteren Tage der ersten Woche verliefen mehrheitlich nach demselben Muster ab. Durch den Tag hindurch fassten wir Material (Vom Kampfrucksack übers Gewehr bis zum Tarnanzug), ehe am Abend jeweils 1-2 Theorieblöcke bevorstanden. Am Samstagmorgen wurden wir ins Wochenende entlassen, mit der Hoffnung auf einen Unterkunft Wechsel zu Beginn der zweiten Woche. Die Wochenenden scheinen zeitlich mit ca. 40 Stunden zwar sehr kurz, doch in der freien Zeit lässt sich viel erleben und erledigen. Die Wochenenden sind ein regelrechter Motivationsschub während der ganzen Woche.

Am ersten Tag der Woche wurden wir bezüglich des Umzuges in die Kaserne wieder auf Ende Woche vertröstet. Die Organisation, wie auch die Kommunikation der Informationen scheint diesbezüglich ziemlich versagt zu haben.

In den kommenden Tagen setzten wir die allgemeine Grundausbildung fort. Wir verbrachten unsere ersten Tage auf dem Feld und schossen mit dem Sturmgewehr 90. Die Tage wurden nun noch etwas kürzer, da die Programmdichte etwas anstieg. Am Morgenstanden wir früher auf, um rechtzeitig auf das Feld zu gelangen. Nach der Rückkehrgegen Abend stand das Putzen von Gewehr und Schuhen auf dem Programm, anschliessend folgte wieder 1-2 Theorieblöcke. Wir durften sogar zweimal pro Woche in der ganzen Gruppe Sport treiben. Am Montag rannten wir meist an der Aare entlang und am Mittwoch wurde eine Sportlektion durch professionelles Fachpersonalabgehalten. Die sportliche Betätigung stellte jeweils eine angenehme Abwechslung zum militärischen Alltag dar.

Nach den zahlreichen Ausbildungen folgte am Freitagabend eine Inspektion durch den Kompaniekommandanten. Wir mussten unsere Bereitschaft und unseren Willen zur Schau stellen. Nach einer knapp genügenden Leistung durften wir uns auf eine pünktliche Entlassung am Samstagmorgen freuen.

Die dritte Woche verlief praktisch identisch zur Zweiten. Erneut wurden unsere Erwartungen bezüglich des Unterkunft Wechsels nicht erfüllt. Die Kommunikation der Informationen schien von der obersten Stufe der Organisation her nicht zu stimmen. Wir setzten unsere allgemeine Grundausbildung also mit dem gleichen Wohnsitz wie zuvor fort. Zusätzlich zur Sturmgewehrausbildung wurden wir im Bereich der Abc-Abwehr (atomar, biologisch, chemisch), sowie den Sanitätsgrundsätzen ausgebildet. Die dritte Woche war zugleich unsere letzte Ausbildungswoche auf dem Feld. In der folgenden Woche sollten wir mit der Arbeit in den verschiedenen Büros beginnen. Uns wurde mit Montag der kommenden Woche zudem ein definitiver Umzugstermingenannt.

Am kommenden Montag war es tatsächlich so weit, wir zogen in die Kaserne ein. Das bedeutete für uns eine enorme Komfortsteigerung, wir hatte  nun richtige Betten anstelle unseres Schlafsackes, da wir keine zusätzlichen Wege und Wachen mehr auf uns nehmen mussten, konnten wir auch mehr Zeit in unseren neuen Betten verbringen. Wir waren alle sehr glücklich, dass wir nun endlich auch in der Kaserne wohnen durften.

Es folgte sogleich aber eine weitere Unannehmlichkeit. Da zu viele Büroordonnanzen rekrutiert wurden, konnten nicht alle beschäftigt werden. 7 Rekruten erhielten eine feste Einteilung und Arbeit. Weitere 12 wurden in den sogenannten Pool gesteckt. Diese wurden dort eingesetzt, wo nötig, und zwar in der ganzen Schweiz. Ich fand mich selbst auch in diesem Pool. Unsere Zukunft war dementsprechend total ungewiss und konnte in der ganzen Schweiz liegen.

In der ersten “Pool-Woche” hatten wir kaum Arbeit. Wir putzten die Unterkunft während ca. 3 Stunden pro Tag, die restlichen Stunden standen zur freien Verfügung auf dem Kasernenareal, wir verbrachten diese meist schlafend im Zimmer. Einige Angehörige des Pools arbeiteten in der Kasernenküche mit, weil temporär zu wenige Truppenköche eingeteilt waren. Die viele freie Zeit war zu Beginn der Woche traumhaft schön, doch ohne Arbeit wird mir generell schnell langweilig. So kam es denn auch, dass ich den ganzen Freitag in der Küche arbeitete und so einen weiteren Einblick in eine neue militärische Tätigkeit erhielt. Das Wochenende konnte ich entsprechend dem Wochenverlauf ausgeruht und entspannt angehen. Dieser persönlich erfahrene Leerlauf der Armee findet nicht nur auf unserer (tiefen) Ebene statt, sondern auch in vielen anderen (höheren) Bereichen, die Zeit wird dort ebenfalls irgendwie totgeschlagen, weil schlicht und einfach die Arbeit fehlt.

Die 5. Woche verlief im Pool ebenso wie die vorhergehende. Wir wurden hier und dort für kleinere Aufgaben eingesetzt, hatten aber viel Zeit zur freien Verfügung. Ich trieb in der freien Zeit häufig Sport, da das zu Beginn erwähnte Sportprogramm für die Büroordonnanzen zu diesem Zeitpunkt bereits wieder abgeschlossen war. Am Donnerstagdurfte ich einen Tag lange im Schulkommandobüro (Büro des Generalstabs) mit Aussicht auf eine “Festanstellung” Probearbeiten. Mir gefiel die Tätigkeit dort ebenfalls sehr gut, und ich würde mich freuen, wenn ich einer der beiden Auserwählten wäre(Was bis zum heutigen Zeitpunkt noch nicht bekannt ist).

So verliefen meine ersten 5 Wochen in der Schweizer Armee. Wie Sie sehen, läuft nicht alles rund, besonders in den Bereichen Organisation und Kommunikation besteht noch grosser Nachholbedarf. An dieser Stelle möchte ich auf ein weiteres Beispiel der mangelhaften organisatorischen Fähigkeiten der Armeeverantwortlichen verweisen. Unser Zug umfasste zu Beginn ca. 60 Personen, davon sprach und verstand eine Minderheit von 7 Personen nur Französisch. Üblicherweise sollten solche Sprachbarrieren in der multilingualen Schweiz keine grossen Probleme verursachen, doch ausgerechnet in unserem Zug war dies der Fall. Weder die 5 Gruppenführer, noch der Zugführer konnten auf einem angemessenen Niveau mit den Welschschweizern kommunizieren. Abhilfe wurde erst durch die ausgeprägten Sprachfähigkeiten eines Rekruten geschafft. Von solchen Situationen zeugt das gerechtfertigte Misstrauen gegenüber den organisatorischen Fähigkeiten der Schweizer Armee. Für Aussenstehende ist eine solche Einteilung schlicht und einfach nicht nachvollziehbar, ist doch im selben Betrieb eine fast ausschliesslich Französisch sprechende Kompanie mit ebenfalls Französisch sprechenden Gruppen- und Zugführern untergebracht.

 Es gibt meiner Ansicht nach also nicht unberechtigterweise viel Kritik an der Armee. Um diese Kritik aber besser nachvollziehen zu können, werde ich noch etwas mehr Erfahrungen sammeln müssen. Ich schilderte in diesem Artikel vorerst die gesammelten ersten Eindrücke und auftauchenden Probleme. In einem späteren Artikel werde ich mich auch mit der Kritik und den Problemen der Armee auseinandersetzen.

 

0 Comments

  1. ujvazamsi says:
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